(von Ben Turecek)
Was wenige Leute wissen werden, heute feiern wir den 90. Geburtstag der Kommunistischen Partei Österreichs, kurz KPÖ, die es trotz widrigster
Umstände und trotz einiger Unkenrufe tatsächlich noch gibt, als eine der ältesten Parteien der österreichischen Landschaft, ja sie ist die älteste Partei,
wenn man bedenkt, dass sie die einzige Partei ist, die seit ihrer Gründung durchgehend (wenn auch teils illegalisiert) und ohne Neugründung
bestanden hat.
Und wenn man 90. Geburtstag hört, dann drängt sich doch unwillkürlich
jene Fernsehsendung auf, die alljährlich zu Silvester im ORF 1 ausgestrahlt
wird: Dinner for One, das übersetzt als der 90. Geburtstag bezeichnet wird. Und der deutsche Titel passt wie angegossen, der Originaltitel müsste
etwas modifiziert werden, nicht „Dinner for One“ sondern „Dinner for a Few“ müsste es heißen, denn viele sind es ja nun wirklich nicht, die den
Geburtstag der KPÖ feiern. Viele sind es nicht, die überhaupt noch wissen, dass sie existiert. Wer ist also diese ältere Dame, die hier Geburtstag
feiert und von der heute nur mehr so wenig wissen?
Geboren wurde sie vor exat 90 Jahren am 3. November 1918 unter dem Taufnamen
KPDÖ (Kommunistische Partei Deutschösterreichs), gleich zu
Beginn hat die Neugeborene eine bewaffnete Garde – die Rote Garde – und eine eigene Zeitung den „Weckruf“. Mit beiden betätigt sie sich
revolutionär und ist am 12. November dabei, als sie versucht die Revolution zum Sieg und das Land in bessere Zeiten zu führen, aber die
Sozialdemokratie war schneller, jetzt führt diese die Revolution an und beendet sie vorzeitig. Danach schwindet das Interesse an der jungen KPÖ, in
der 1. Republik spielt sie eine untergeordnete Rolle. Da sie dennoch lästig ist, wird sie schließlich vom christlichsozialen Bundeskanzler Dollfuß
verboten – ein Fehler, denn nun wird sie zu einer starken Bewegung gegen den Faschismus. Sie wird zu einer Heldin, die trotz schwerer Bedrängnis
und trotz des harten Vorgehens gegen sie, den Kampf sowohl gegen den Austrofaschismus, als auch gegen die Nazis aufrecht erhält. Und folgerichtig
wird sie auch zu einer der Baumeisterinnen des neuen antifaschistischen Österreichs, aber kaum ist sie wieder legal, weicht das Interesse von ihr. Sie
punktet kaum bei den Wahlen, sie wird von den großen ÖVP und SPÖ an den Rand gedrängt. Und als die Sowjettruppen abziehen, verliert sie auch
einen – ohnehin vom Rest nicht geliebten – starken Unterstützer. Es mag sein, dass diese Frustration auch zu einigen verhängnisvollen Fehlern von ihr
geführt hat, dass sie mit dem Älterwerden ein wenig borniert wurde und damit ein paar ihrer Anhänger verkrault hat. Dass sie dennoch noch immer
existiert und sogar bereits damit anfängt wieder stärker zu werden, ist wohl ein Zeichen dafür, dass sie ihre Arbeit vielleicht doch nicht so schlecht
gemacht hat und dass sie noch weiter
gebraucht wird. Na dann Happy Birthday!