(von Ben Turecek)
Wenn man den Wahlkampf betrachtet, dann fällt einem sofort auf, wie sozial auf einmal alles geworden ist, jede Partei entdeckt ihre soziale Ader, jede Partei
kümmert sich um die Armen, soziale Wärme und Güte liegt in der Luft. Und nicht nur im Wahlkampf sieht man die soziale Wärme, die Liebe zu den Armen, die
Unterstützung der Hilfsbedürftigen, überall auf der Welt herrscht der pure Altruismus, Bill Gates, zur reichen Spitze der Welt gehörend, nützt sein Geld nur mehr für
Wohltätige Zwecke, alle meine reichen Freunde, die ich habe – so viele sind das ja nun leider nicht, aber es gibt sie – tun alles für die Armen, was sie können. Und
das wirft dann doch die Frage auf: Wo verdammt noch einmal sind die guten alten Egoisten hingekommen? Ich meine die, die nicht nur Ausbeutung betrieben
haben, sondern das Geld in die eigene Tasche gestopft haben, die Tüchtigen, die dann der Meinung waren, „was ich mir erwirtschaftet habe, gehört mir, Ende der
Diskussion.“ Diese Leute waren zweifelsohne beinharte Ausbeuter und Abzocker, aber mit dem Anstand, dass auch zuzugeben. Die hatten es nicht notwendig, den
Altruisten raushängen zu lassen, die standen dazu, dass sie das Geld, dass sie sich erwirtschaftet hatten, nur zur Vermährung ihres Besitzes und auch ihres Kapitals
ausgeben würden. Und wenn man sie als „Arschloch“ bezeichnete, fühlten sie sich geehrt. „Ja, ich bin ein Arschloch, das kann ich mir auch leisten“ war ihr
Wahlspruch. Und jetzt sind sie weg. Opfer des modernen Altruismus. Warum? Was hat den Altruismus so populär gemacht? Warum beispielsweise gibt es keine
Wirtschaftspartei mehr? Und kommen sie mir jetzt nicht mit der ÖVP, die lässt doch auch bei jeder Gelegenheit das Soziale raushängen. Mit Wirtschaftspartei meine
ich eine Partei, die in den Wahlkampf geht mit Forderungen, wie: „Wasser, Bildung und Medizin privatisieren! Staat hau ab – aus der Wirtschaft! Steuern für
Spitzenverdiener abschaffen! Unterschlagung in Milliardenbeträgen – legalize it!“ Ich kann es sagen, warum. Sie würden bei Wahlen wahrscheinlich 0,01% der
Stimmen erhalten. Denn auch wenn diese Forderungen bei allen anderen Parteien, in der Realpolitik vor der Umsetzung stehen, im Programm muss das Soziale im
Vordergrund stehen, darin sind sich Sozialdemokraten, Liberale, Konservative, Grüne und Nationale einig. Und warum? Egoismus ist nicht populär. Wenn man
schon ausgebeutet wird, will man in dem Bewusstsein leben, dass man von guten Menschen ausgebeutet wird, die nur das Wohl ihrer Mitmenschen vor Augen
haben. Darum müssen im Staat sogar Wirtschaftsparteien, wie die ÖVP sozial sein, darum müssen in der Privatwirtschaft sämtliche Konzernchefs ihr soziales
Gewissen zur Schau stellen. Ich sage: Findet mir einen ehrlichen Egoisten, der sein Geschäft ehrlicherweise nur deswegen betreibt, damit es ihm gut geht und ich
ziehe den Hut vor ihm. Aber ihr altruistischen Arschkriecher, die ihr eure Ausbeuterwirtschaft auch noch hinter sozialen Floskeln tarnt und eure Nächstenliebe
heraushängen lässt, packt
eure schmierige Sozialscheiße und verschwindet! Es lebe der gesunde Egoismus!
Nieder mit der Altruistenscheiße!