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WEIHNACHTSGESCHICHTE AUS EINEM ANDEREN BLICKWINKEL Einer der Grundgedanken des Weihnachtsfestes ist ja, dass man die Geburt von Jesus Christus feiert, dem Messiahs, dem Erlöser, dem Oberhaupt der Christenheit, etc. Nun kennen wir alle ja den Ablauf dieser Geschichte, Josef und Maria machen sich zum Steuer zahlen auf den Weg in ihre Geburtsstadt Betlehem, kriegen dort keine Herberge, müssen im Stall übernachten und Maria bekommt dort ein Kind. Danach kommen Hirten und Könige und beten es an und ein großes Wunder ist vollbracht. 2 Protagonisten dieser Geschichte werden zwar meistens erwähnt, bekommen aber nie den Platz der ihnen von ihrer historischen Bedeutung her zusteht: Es sind dies der Ochs und der Esel.
dachte bei sich: „Gott sei Dank muss ich heut nicht mehr raus. Da herin ist es warm, Heu hab ich genug und sonst hab ich auch meine Ruh.“ Und als er sich, ob dieser Erkenntnis äußerst zufrieden, gerade niederlegen wollte, um ein bisschen zu dösen, flog die Tür auf, Licht flutete herein und ein eisiger Kältezug kam von draussen durch den Stall geweht. Der Ochs, der gerade am Einschlafen war, blickte, leicht genervt, zur Tür und sah einen Esel herein marschieren, der sich seinen Blicken nach zu schließen, furchtbar wichtig vorkam. Auf dem Esel saß ein Mensch und vor dem Esel ging ein weiterer Mensch. Der Ochs hatte im Biologieunterricht nie gut aufgepasst, aber seine Grundkenntnisse waren noch soweit vorhanden, dass er glaubte, erkennen zu können, dass der Mensch auf dem Esel weiblichen und der Mensch vor dem Esel, männlichen Geschlechts war. Bevor er jedoch dazu kam, die Menschen näher zu betrachten, quaselte der Esel bereits drauf los: „Na Gott sei Dank trifft man hier einmal ein Hornvieh auch, jemanden mit dem man reden kann, ich meine mit den Menschen ist das so mühsam, die verstehen von meinen Worten immer genau zwei Buchstaben: I und a. Ist ja keine Konversation möglich so.“ – „Sei doch froh.“ Sagte der Ochs, dem das Gespräch jetzt schon etwas nervte, er hätte schließlich gern ein wenig geschlafen. „Wenn die Menschen bei mir mehr verstehen würden, als M und U, dann müsste ich vermutlich nicht nur für sie arbeiten, sondern auch noch mit ihnen reden. Na das brauch ich unbedingt.“ – „Ja, aber so ist es doch ein wenig langweilig. Ich meine wenn sie schon auf mir herumsitzt die ganze Zeit.“ Er meinte damit offensichtlich das Weibchen, welches mittlerweile abgestiegen war und mit ihrem Mann neben der Futterkrippe Platz nahm. „Wenn sie schon die ganze Zeit auf mir herumsitzt, könnte sie wenigstens mit mir reden. Ich meine sie ist immerhin mordsmäßig schwer.“ – „Warum?“ fragte der Ochs. „Die Menschenweibchen wiegen doch nix?“ – „Ja, glaubst du? Aber die… die ist schwanger.“ – „Was?“ – „Ja, so heißt das, wenn Menschen trächtig sind.“ – „Oh.“ sagte der Ochs, schlimmes ahnend. „Und wie lange…?“ – „Pfuh, na lass mich rechnen… Wann war das, wo der… also…. Na das müsste ja jeden Moment soweit sein.“ – „Woher weißt du das eigentlich?“ – „Ich war bei der Empfängnis dabei.“ Sagte der Esel mit einem Anflug von stolz. Der Ochs, sehr prüde erzogen, räusperte sich: „Bitte, du hast zugeschaut, wie…“ – „Nein.“ Sagte der Esel. „Das war ja nicht so, wie sonst. Ich werde es dir erzählen: Einmal war das Weibchen allein zu Hause, als plötzlich ein großer leuchtender Vogel gekommen ist und ihr erklärt hat, dass sie jetzt schwanger ist und ein Kind gebären wird, dass die Menschheit erlösen wird.“ – „Na wunderbar und wann wird ein Kind geboren, dass uns Tiere erlöst?“ seufzte der Ochs, etwas in Gedanken. – „Darüber hat der leuchtende Vogel nichts gesagt.“ – „Sag, was war das für ein leuchtender Vogel?“ – „Keine Ahnung.“ Gestand der Esel, was ihm nicht leicht viel, denn er wusste sonst immer alles, oder tat zumindest zu. „Ich habe so einen Vogel noch nie gesehen. Ich glaube allerdings mich erinnern zu können, dass das Menschenweibchen, den Vogel: Engel nannte, oder so.“ – „Nie gehört“ meinte der Ochse. „Na dann, es hat mich gefreut. Ich geh dann mal schlafen.“ Doch kaum hatte sich der Ochse niedergesetzt, da zerriss ein gellender Schrei die Nacht, der Ochs fuhr mit einer Geschwindigkeit in die Höhe, die für ein Rindvieh gigantisch war. „Was ist denn?“ – „Ach mach dir mal keine Sorgen.“ Sagte der Esel. „Das Weibchen bekommt nur grad ihr Kind.“ – „Da im Stall?“ – „Ja, warum nicht?“ – „Ich hab immer glaubt, Menschen gehen woanders hin, zum Kinder kriegen.“ – „Ja die nicht.“ Meinte der Esel. „Denn das Kind ist offensichtlich was besonderes.“ – „Woran erkennst du das?“ – „Ja erstens daran, dass es ein leuchtender Vogel gebracht hat und zweitens daran, dass es in einem Stall geboren wird, womit es sich deutlich über menschliches Niveau begeben hat.“ Inzwischen war das Kindelein geboren. Ochs und Esel betrachteten es. „Ist es nicht süß?“ fragte der Esel ganz verliebt. „Entzückend“ brummte der Ochs. „Kann ich jetzt schlafen?“ Aber dazu sollte der arme Ochs noch längere Zeit nicht kommen, Weil das Menschenkind fror, wurde es in die Krippe gelegt, dann hatte es Hunger und musste von der Mutter mit Milch versorgt werden und als es endlich schlief, kamen ein Haufen Menschen herein, warfen sich vor dem Menschenkind auf dem Boden und ließen allerlei Geschenke da, darunter ein völlig verschrecktes Lämmchen, das nicht recht wusste, wie ihm geschah und um das sich nun auch noch der Ochs und der Esel kümmern mussten. Am Schluss erschien noch ein Heer von leuchtenden Vögeln, wie sie der Esel beschrieben hatte, die musizierten und jubelten. Auch in den nächsten Tagen bekam der Ochs kaum eine Ruhe. Zwei Wochen später erschienen wieder drei Menschen und brachten glitzerndes Zeug mit, sowie Dinge, die einen seltsamen Geruch verbreiteten. Und dann packten die Menschen plötzlich ihre Sachen und begannen sich rasch auf ihren Abzug vorzubereiten. „Was ist jetzt los?“ fragte der Ochs. – „Frag nicht komm mit!“ – „Aber wieso?“ – „Weil irgendwelche Menschen dieses Menschenkind umbringen wollen und wenn du dableibst, dann machen sie vielleicht aus dir ein Weihnachtssteak.“ Das leuchtete dem Ochsen ein und er schloß sich den Flüchtenden an. So kamen er, der Esel, das Lamm und die Menschen nach Ägypten. Dort trennten sich ihre Wege. Das Lamm und der Esel gingen mit den Menschen, der Esel blieb bei der Mutter, das Lamm gehörte auch später dem Menschenkind und inspirierte es, zum Gleichnis mit dem verlorenen Schaf und der Ochs blieb in Ägypten, schrieb dort seine Memoiren auf und echaufierte sich darüber, dass obwohl der Ochs bei Christi Geburt eine derart wichtige Rolle gespielt hat, heute zu Weihnachten trotzdem in manchen Ländern, Steak gegessen wird.
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