LOB DER GROßEN KOALITION


(von Ben Turecek)

 

 

Es stimmt mich immer wieder betrüblich, dass hierzulande derart verächtlich auf die Regierung geblickt wird, dass man der Institution „Große Koalition“

bereits mit derartiger Verachtung entgegen tritt, dass man ihr nicht einmal die Chance lässt ihre Arbeit zu tun, bevor man über sie herfällt.


In Anbetracht der Situation, dass bereits politisch absolut uninteressierte Freunde von mir sich von der blinden Wut gegen die Herrschaften der

Regierung mitreissen lassen – erst kürzlich führte ich ein Gespräch, wo mir eine Person erzählte, sie habe den Herren Faymann und Pröll einen bösen

Brief geschrieben und dass obwohl diese Person vorher von Politik gänzlich unbeeindruckt war – ist es mein Wunsch nun dieser Stimmung

entschlossen entgegen zu treten und eine Lanze für die große Koalition zu brechen.


Denn gerade für mich als politischen Kabarettisten ist die große Koalition eine starke Notwendigkeit, sie löst meist inhaltlich ein derartiges Chaos aus,

dass die rechten Parteien zulegen, dann kann ich wieder beruhigt auf die losgehen, ohne mir den Vorwurf einzuholen, ich würde immer auf die Kleinen

losgehen, das Wachsen der Rechtsparteien zwingt dann auch selbst die Grünen wieder ein politisches Statement abzugeben, dadurch tauchen die

wieder mal wo auf und man kann sich ihrer annehmen.


Aber gut, dem Normalsterblichen kann meine kabarettistische Notwendigkeit ja gleich sein. Also listen wir hier doch einfach mal auf, was die Große

Koalition alles kann:


1. Unterhaltungswert: Sie bietet etwas für den täglichen Humorbedarf, wenn man Spaß braucht, einfach Fernseher aufdrehen und Regierung

beobachten, Lacher garantiert


2. Wohlbefinden: Das Wissen um den Sozialstaat Österreich ist immer dann gegeben, wenn man die Große Koalition betrachtet, denn die arbeiten nix

, kriegen aber trotzdem eine fette Pension, also rein das Gefühl „Du musst dir keinen Haxn ausreissen, damit deine Pension schön wird.“, also mich

baut das auf.


3. Romantik: Wer liebt sie nicht die Beziehungskomödien, wo das Paar sich trennt, schwere Prüfungen zu erdulden hat, neues ausprobiert, aber

letztlich kommen sie drauf, sie sind für einander bestimmt, also dieses Love-story-feeling – das dadurch noch ein wenig besser passt, dass die ÖVP

momentan sowieso an eine Krebskranke erinnert - das versöhnt mich mit jeden Problemen, die ich mit der Regierung habe.


Und schließlich bietet die Regierung etwas für politische und unpolitische Menschen gleichzeitig: Denn der Wunsch der Unpolitischen endlich mit Politik

in Ruhe gelassen zu werden, erfüllt sich, weil mit Politik hat das eh alles nix mehr zu tun, die Politischen dagegen können sich über diese Regierung

maßlos aufregen und haben damit ihr Ziel auch erreicht. Und wer angesichts dessen sich über so Kleinigkeiten, wie fehlende Sozialpolitik, zuviel

Streitigkeiten oder reaktionäre Gesellschaftspolitik und dergleichen jammert, der gehört wohl zu jenen Querulanten, denen man es nie recht machen

kann.


Ich möchte daher noch einmal meinen persönlichen, innigen, herzlichen Dank aussprechen.


Lieber Werner! Lieber Josef!

Weiter so. Diese Regierung muss arbeiten! Danke!

Mit herzlichen Grüßen
Euer ergebener
Ben Turecek