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„DEINE EI SIND
GRAUENHAFT!“ (von
Ben Turecek) Ich
lag am harten Boden wie der Rest meines Jahrgangs und atmete, das war die
Aufgabe die wir gestellt bekommen hatten zu atmen, das heißt streng genommen,
lautete die Aufgabe: „Es atmet mich.“ Gut, also es atmet mich – ja eh, natürlich.
Funktioniert ja auch immer wunderbar, sofort merkte ich wie sich bei mir eine
gewisse Panik breit machte, als alter Perfektionist werde ich immer furchtbar
nervös, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Da meinte die große,
blonde Dame, die sich eben über mich beugte, in dem ihr eigenen
freundlich-scharfen Tonfall: „Locker lassen, Krampf ist überhaupt der Feind!
Den lass ma von jetzt an weg.“ Dabei hatte ich es ja noch gut getroffen,
meinen lieben Kärntner Kollegen hatte sie als „Krampfsackerl“ bezeichnet. Gut,
nachdem ich es endlich halbwegs geschafft hatte, es mich atmen zu lassen, kam
das Ausatmen, „als ob wir ein Essen kühlen.“ Also gut: „Fffffffff!“ Na
ja, das klappt ja schon ganz gut. Herrlich auch immer der Schnappschuss von uns
selbst, das kommt meistens vor dem Atmen und dabei kommt man dann immer auf so
schöne Eigenheiten, oder um es mit ihren Worten auszudrücken: „Wie liegen
wir da? Liegt ein Bein mehr auf, wie das andere? Wie groß ist der Hohlraum
zwischen Rücken und Boden?“ Was bei mir und meinem Hohlkreuz selbstverständlich
Tunnelartige Ausmaße annimmt. Letztens
meinte sie: „Jetzt ist leider der CD-Player nicht verfügbar, jetzt müsst ihr
euch die Musik dazu vorstellen.“ In Anbetracht der Gesangsübungen im
Nebenraum meinte ich: „Wir haben doch hier eh Musik.“ Sie lächelte, das
bekannte lieblich-böse Grinsen und meinte dann: „Das ist ja keine Musik, das
ist ja eher eine Zumutung.“ Wenn
wir unsere Aufwärmübungen, Schnappschüsse, etc. beendet haben, dann kommt ja
meistens der Teil, wo wir irgendwelche Texte zu irgendwelchen Lauten sprechen dürfen,
das heißt, wenn wir uns nicht grade gegenseitig, ein „feist und fett“ an
den Kopf knallen dürfen – das ich einem meiner Kollegen zuliebe extra in
diese Geschichte eingebaut habe. Da gibt es zum Beispiel diesen wunderschönen
„O-Text“ in welchem ein Postbote, namens „Otto von Rotz“ vorkommt und
mich hat bei so einem extravaganten Namen, dann schon interessiert, wo denn
dieses Rotz liegt. „Ja, das bleibt ganz deiner Fantasie überlassen, wie du
dir das Schloss Rotz vorstellst.“ Sagte sie und legt auf das Schloss Rotz
eines ihrer legendären rollenden Rs. Gut und wieder lese ich einen dieser
Texte, es ist der E-Text. „Der gefährliche Einbrecher Emil Bär lebte
abwechselnd im Gefängnis und in jenen Wäldern, die sich in nächster Nähe des
Städtchens dehnten.....“ Und so weiter und so fort, nach der Hälfte des
Textes kommt ein „Danke“ und die gemeinste aller Fragen: „Wie fandest
du’s?“ Da steht man da, ein nacktes Häuflein Elend: „Ja, ich glaub im
Prinzip nicht schlecht, aber ein paar Fehler waren schon.“ Diplomatische
Antwort. Dann kommt die Kritik: „Vom Vortrag her, mocht ich es schon ganz
gern, aber ...“ dem Moment wird ein kleines Zettelchen gezückt „abwexelnd,
nicht abwechselnd, da Derektor, bitte deutlicher, der Direktor und...“ hier
kommt ein Märtyrerblick „deine EI sind grauenhaft.“ Ja, da kommt halt immer
wieder der Wiener bei mir durch, das EI ist das Ei, das uns durch die Sprache
gelegt wird, leider. |