BENJAMIN TURECEK        

 

 

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„DEINE EI SIND GRAUENHAFT!“

(von Ben Turecek)

 

Ich lag am harten Boden wie der Rest meines Jahrgangs und atmete, das war die Aufgabe die wir gestellt bekommen hatten zu atmen, das heißt streng genommen, lautete die Aufgabe: „Es atmet mich.“ Gut, also es atmet mich – ja eh, natürlich. Funktioniert ja auch immer wunderbar, sofort merkte ich wie sich bei mir eine gewisse Panik breit machte, als alter Perfektionist werde ich immer furchtbar nervös, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Da meinte die große, blonde Dame, die sich eben über mich beugte, in dem ihr eigenen freundlich-scharfen Tonfall: „Locker lassen, Krampf ist überhaupt der Feind! Den lass ma von jetzt an weg.“ Dabei hatte ich es ja noch gut getroffen, meinen lieben Kärntner Kollegen hatte sie als „Krampfsackerl“ bezeichnet.

Gut, nachdem ich es endlich halbwegs geschafft hatte, es mich atmen zu lassen, kam das Ausatmen, „als ob wir ein Essen kühlen.“ Also gut: „Fffffffff!“ Na ja, das klappt ja schon ganz gut. Herrlich auch immer der Schnappschuss von uns selbst, das kommt meistens vor dem Atmen und dabei kommt man dann immer auf so schöne Eigenheiten, oder um es mit ihren Worten auszudrücken: „Wie liegen wir da? Liegt ein Bein mehr auf, wie das andere? Wie groß ist der Hohlraum zwischen Rücken und Boden?“ Was bei mir und meinem Hohlkreuz selbstverständlich Tunnelartige Ausmaße annimmt.

Letztens meinte sie: „Jetzt ist leider der CD-Player nicht verfügbar, jetzt müsst ihr euch die Musik dazu vorstellen.“ In Anbetracht der Gesangsübungen im Nebenraum meinte ich: „Wir haben doch hier eh Musik.“ Sie lächelte, das bekannte lieblich-böse Grinsen und meinte dann: „Das ist ja keine Musik, das ist ja eher eine Zumutung.“

Wenn wir unsere Aufwärmübungen, Schnappschüsse, etc. beendet haben, dann kommt ja meistens der Teil, wo wir irgendwelche Texte zu irgendwelchen Lauten sprechen dürfen, das heißt, wenn wir uns nicht grade gegenseitig, ein „feist und fett“ an den Kopf knallen dürfen – das ich einem meiner Kollegen zuliebe extra in diese Geschichte eingebaut habe. Da gibt es zum Beispiel diesen wunderschönen „O-Text“ in welchem ein Postbote, namens „Otto von Rotz“ vorkommt und mich hat bei so einem extravaganten Namen, dann schon interessiert, wo denn dieses Rotz liegt. „Ja, das bleibt ganz deiner Fantasie überlassen, wie du dir das Schloss Rotz vorstellst.“ Sagte sie und legt auf das Schloss Rotz eines ihrer legendären rollenden Rs. Gut und wieder lese ich einen dieser Texte, es ist der E-Text. „Der gefährliche Einbrecher Emil Bär lebte abwechselnd im Gefängnis und in jenen Wäldern, die sich in nächster Nähe des Städtchens dehnten.....“ Und so weiter und so fort, nach der Hälfte des Textes kommt ein „Danke“ und die gemeinste aller Fragen: „Wie fandest du’s?“ Da steht man da, ein nacktes Häuflein Elend: „Ja, ich glaub im Prinzip nicht schlecht, aber ein paar Fehler waren schon.“ Diplomatische Antwort. Dann kommt die Kritik: „Vom Vortrag her, mocht ich es schon ganz gern, aber ...“ dem Moment wird ein kleines Zettelchen gezückt „abwexelnd, nicht abwechselnd, da Derektor, bitte deutlicher, der Direktor und...“ hier kommt ein Märtyrerblick „deine EI sind grauenhaft.“ Ja, da kommt halt immer wieder der Wiener bei mir durch, das EI ist das Ei, das uns durch die Sprache gelegt wird, leider.