BENJAMIN TURECEK        

 

 

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12. FEBRUAR
(von Ben Turecek)

Heute vor 70 Jahren, am 12. Februar 1934 haben sich die österreichischen Arbeiter nicht mehr länger von der aufziehenden faschistischen Diktatur der katholischen Vaterländischen Front unterdrücken lassen, sondern bewaffneten Widerstand geleistet.

Nach dem 1918 die Sozialdemokraten, welche damals zumindest noch in Ansätzen eine revolutionäre Partei waren, die den Gesellschaftswandel Ernst meinten, für kurze Zeit an die Macht gekommen waren und zumindest in Ansätzen, soziale Verbesserungen durchgesetzt hatten, arbeiteten seit 1920 bürgerliche
Regierungen konsequent daran, die sozialen Fortschritte wieder zu beseitigen. Faschistische Wehrverbände, wie die Heimwehr, die sich 1930 im Korneuburger Eid offen zur Diktatur bekannte, unterstützten die Regierungen als Streikbrecher und mit antisozialistischem Terror. Ein Justizsystem hatte sich entzwickelt, dass Kindermörder freisprach, aber auf dagegen protestierende Arbeiter wurde das Feuer eröffnet. Und dann kam Dollfuß, ein christlichsozialer Politiker mit Komplexen und Autoritätswahn und schaltete Schritt für Schritt das Parlament und die Demokratie aus.

Und die Sozialdemokraten schauten zu, wie über ihren Kopf brutale Sanierungsmaßnahmen á la Genf 1923 beschlossen wurden, wie Kinder von rechtsextremen Frontsoldaten und Arbeiter von der reaktionären Polizei niedergeschossen wurden, wie die Heimwehr beschloss, „nach der Macht im Staate zu greifen“, wie die österreichische NSDAP auf einmal Zulauf erhielt, wie Dollfuß, Notverordnungen durchsetzte, wie das Parlament ausgeschaltet wurde, wie die KPÖ verboten wurde und wie der Schutzbund, die Wehreinheit der Sozialdemokratie, aufgelöst wurde und damit die eigenen Anhänger verfolgt und eingesperrt wurden.

Aber nicht alle Anhänger der SDAPÖ blieben still und am 12. Februar setzte sich der Sozialdemokrat Richard Bernaschek zur Wehr, kämpfte gegen Heimwehr und Bundesheer, die Arbeiterklasse erhob sich, die Basis der Sozialdemokraten, unterstützt von illegalen Kommunisten, aber es fehlte an Organisation. So konnte der Aufstand blutig niedergeschlagen werden, die Arbeiterklasse wurde besiegt und verlor für lange Zeit die Möglichkeit für ihre Rechte zu kämpfen, die SDAP wurde verboten, ihre Führer wurden inhaftiert oder flohen ins Ausland. 9 führende Schutzbündler wurden hingerichtet, darunter der schwer verletzte Karl Münichreiter, den das barmherzige Christentum der Dollfußregierung auf der Bahre zum Galgen tragen ließ. Die gefallenen Arbeiter erwähnt die Geschichtsschreibung eher beiläufig.

Und was war die Folge, viele Arbeiter sahen nur mehr die Wahl zwischen Dollfuß und Hitler, so dass viele zu den Nazis überliefen, denn obwohl Hitler, die weitaus brutalere Diktatur aufstellte, glaubten viele Sozialdemokraten, die Nazis würden ihnen näher stehen.

Die Sozialisten, die zu ihrer Gesinnung hielten gingen zur KPÖ oder gründeten die Revolutionären Sozialisten. KPÖ und RS-Anhänger wurden dann in der Nazizeit brutal verfolgt und umgebracht oder verbrachten die Zeit in Haft oder im KZ, so sie es nicht ins Ausland schafften.

Und was war 1945? Die SPÖ wurde von den selben Sozialdemokraten gegründet, die 1934 mit ihrer Untätigkeit zu verantworten haben, statt von den Widerständlern, die es Ernst meinten, die ÖVP wurde, anstatt von bürgerlichen antifaschistischen Kräften, von den Dollfußanhängern neu gegründet, die KPÖ schaffte es nicht, sich von der Sowjetunion abzunabeln. Alle 3 buhlten um Nazistimmen und letztlich wurde der VdU gegründet, aus dem die heutige FPÖ hervor ging.

Zitat, Erich Weinert:
„Ach haben dafür unsre besten Herzen, gekämpft, gelitten und ihr Blut verströmt, dass die wir einst geschworen auszumerzen, heut nicht einmal mehr öffentich verfehmt.“ (http://www.kultur-netz.de/literat/lyrik/weinert/t_reich.htm)